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Donnerstag, 16. Mai 2013

Arun Verlag: Unser Leitbild


Der Arun Verlag gibt als Verlag der Traditionen und Kulturen anspruchsvolle Bücher, Musik-CDs, DVDs und hochwertige Orakel- und Tarotsets heraus. Der Untertitel eco-pagan-tribal-celtic-shaman-cult beschreibt die inhaltliche wie spirituelle Ausrichtung.
In den letzten Jahren ist der Bestand an lieferbaren Titeln auf über 100 angewachsen.
Der Verlag bedient mit bekannten und hochkarätigen Autoren wie z.B. Thomas Berry, Matthew Fox, Philip Carr-Gomm, Marija Gimbutas, Bill Plotkin, Steven Foster & Meredith Little, Caitlin & John Matthews, Cambra Maria Skadé, Regula Meyer, Marlies & Klaus Holitzka, Vicky Gabriel, Geseko von Lüpke u.a. folgendes Themenspektrum: Mythologie und Spiritualität der Naturvölker, Männer- und Frauenspiritualität, Visionssuche, initiatorische Arbeit, spirituelle Naturerfahrung, Tiefenökologie, Tarot, Magie, Mysterienkulte und Schamanentum.
Gerade die spirituell-ökologischen Themen nehmen immer größeren Raum ein. Kernstück dieser Arbeit und Entwicklung sind vor allem die Bücher „Politik des Herzens“ von Geseko von Lüpke, welches Interviews mit Vordenkern unserer Zeit beinhaltet und nachhaltige Konzepte für das 21. Jahrhundert bietet, und „Das Wilde und das Heilige“ von Thomas Berry, eines der Standardwerke der Tiefenökologie. Weitere Werke in dieser Richtung sind in Planung.

Auf dieser Seite stellen wir Ihnen uns und unser Leitbild vor, welches unsere Überzeugungen darstellt, aus denen unsere Veröffentlichungen resultieren. Weiter unten finden Sie kurze Artikel zu unseren Autoren und ihrer Sichtweise des Lebens.

Wer hinter dem Verlag steht

Stefan Ulbrich
geb. 1963, Dipl.Ing.(FH) Technischer Umweltschutz, Buchautor. Verheiratet,
Vater von sechs Kindern, lebt in einer alten Wassermühle in Thüringen. Über 25 Jahre praktische
Erfahrung in Naturspiritualität, Alpinsport und Outdooraktivitäten. Kick- und  Thaiboxer.
Seit 2003 zusammen mit Gerhard Popfinger Visionssucheleiter und Anbieter initiatischer Männerarbeit.
Weitere Worte zu seiner umstrittenen Biografie finden sich hier..
Bei Arun sind von ihm lieferbar:
Tribal Tattoo. Traditionelle, archaische und moderne Stammestätowierungen.
Die geweihten Nächte. Rituale der stillen Zeit. Ein Ratgeber zur Gestaltung  von Weihnachten.
Die Hohe Zeit. Rituale & Zeremonien für Hochzeit, Lebensbund und Familie.
Dein Name sei... Rituale & Zeremonien zu Geburt und Namensgebung.
Ostara. Zeremonien & Brauchtum zu Fasnacht, Ostern und Hohe Maien.


Wofür der Verlag steht

Arbeit und Privates sind bei uns nicht so stark getrennt wie es vielleicht in anderen Berufen der Fall ist. Uns bewegt, was wir tun – und wir tun das, was uns bewegt. Die Themen unserer Bücher entspringen unserem privaten Interesse, unserer eigenen inneren Entwicklung, unseren Diskussionen und unseren Idealen.
In der Zusammenarbeit haben sich folgende Punkte als essenziell für uns herauskristallisiert, die sich sowohl in unserem Leben als auch inhaltlich in unseren Publikationen niederschlagen:

(c) Sparky - fotolia.com
Wir sind davon überzeugt, dass aller Sinn, alle Tiefe im Lebendigen selbst liegen, sowohl in uns als auch in der Natur, die uns umgibt und durchdringt. Alles, was ist, ist in sich wertvoll und „heilig“, wenn man so will. Diese immanente Heiligkeit achten, respektieren und feiern wir. Traditionelle und moderne spirituelle Wege bieten uns die Möglichkeit, dieses Leben intensiv und ganzheitlich zu betrachten und in symbolische, mythologische, archetypische wie konkrete Erklärungsversuche zu hüllen. Alexander von Humboldt sagte: „Die gefährlichste Weltanschauung ist die Weltanschauung derjenigen, die die Welt nicht angeschaut haben." Aus diesem Grund ist uns das offene, vorurteilsfreie Beobachten so wichtig, bietet es doch mannigfaltige Gründe zum Staunen. Dieses Staunen wiederum führt zu Dankbarkeit – eine Haltung, die das Leben in all seinen Facetten wertschätzt. Dogmatismus und Ideologien jeder Art lehnen wir ab.  

Wir betrachten das Leben als Kreis – unser Weg führt uns von Geburt, Kindheit und Jugend zu Reife, wahrem Erwachsensein, letztlich Alter und Tod. Naturspirituelle Traditionen haben diese Sichtweise im Jahreskreis dargestellt, der sich an den Kreisläufen der Jahreszeiten orientiert und der uns als Modell für viele unserer Ideen und der Ideen unserer Autoren dient.
Mit metaphysischen Aussagen halten wir uns gern zurück. Die Frage, ob es eine Wiedergeburt auch für das Individuum gibt, wagen wir nicht zu beantworten, diskutieren sie aber gern.

Für uns haben alle Menschen – egal welcher Herkunft, welcher Hautfarbe, welchen Geschlechts, welcher Religionszugehörigkeit (oder Nichtzugehörigkeit), welcher sexuellen Ausrichtung, welchen Alters und welcher Meinung in Bezug auf „die letzten Dinge“ – die gleichen Rechte und den gleichen Wert. Sie alle verdienen es, gehört und geachtet zu werden.

(c) Dieter76 - fotolia.com
Wir glauben, dass der Mensch frei und eigenverantwortlich ist und seine Zukunft selbst gestaltet. Diese Zukunft ist offen und nicht vorherbestimmt, wir selbst, unsere Gedanken, Worte und Taten schaffen sie. Eine Philosophie des Determinismus ist uns fremd.
Demzufolge sind wir der Meinung, dass der Mensch auch über seinen Lebenssinn selbst entscheidet und diesen durch seine Handlungen stiftet. Dieser Lebenssinn ist stets gänzlich individuell geprägt und unterliegt eher einem Schaffensprozess als der Suche nach einem vorgefertigten bzw. „vom Himmel gefallenen“ Sinn.

Unserer Überzeugung nach stärkt eine Weltsicht, die auf tiefer und authentischer Spiritualität, einer von echter Anteilnahme ausbalancierten Vernunft und echter Naturverbundenheit gegründet ist, Mitgefühl, Weisheit und Liebe – beste Voraussetzungen, um eine zukunftsfähige und lebensbejahende, lebensfeiernde Gesellschaft mitzugestalten.



Warum wir Bücher machen & was wir damit erreichen wollen

(c) fotomorgana - fotolia.de
Viele Probleme, denen wir als Menschheit gegenüberstehen, resultieren aus einem entfremdeten Verhältnis zur Natur. Mit unseren Publikationen möchten wir eine Spiritualität vorstellen und fördern, die auf eigener Naturerfahrung gründet und diese Erfahrung stetig in den ökologischen, sozialen und auch wirtschaftlichen Diskurs einbringt. Hierzu dienen uns einerseits traditionelle Quellen wie der Schamanismus und europäische Naturreligionen, andererseits auch neuere wissenschaftliche Erkenntnisse und Wege, die sich unabhängig von Traditionen entwickeln. Diese unterschiedlichen Zugänge stehen bei uns gleichberechtigt nebeneinander, zeigen sie doch nur unterschiedliche Facetten derselben Wirklichkeit.
Die Widmung, die der Kulturhistoriker Thomas Berry seinem Werk DAS WILDE UND DAS HEILIGE voranstellt, drückt den Blick in die Zukunft aus, den wir mit unseren Büchern auf das Miteinander aller Wesen lenken wollen:

"Für alle Kinder:
Für diejenigen, die die Wogen der See durchschwimmen,
für die in den Schollen der Erde,
für die Kinder der Blumen in den Wiesen und der Bäume des Waldes,
für all jene Kinder, die durch die Weite des Landes wandern, und
für die geflügelten, die mit den Winden ziehen.
Und auch für die menschlichen Kinder,
auf dass alle Kinder in Zukunft zusammenkommen
in der ganzen Vielfalt ihrer Herkunft und ihres Miteinanderseins."

Eine ganzheitliche Sichtweise des Lebens, die sowohl spirituelle als auch rationale Überlegungen mit einbezieht, kann unsere ökologischen Diskussionen auf eine ganz andere Ebene transportieren, die das Verhältnis zu unserem Planeten verändert, so dass wir ihn und alle Wesen auf ihm wahrhaft zu schützen vermögen.

Mit herzlichen Grüßen,
Stefan Ulbrich

Nachfolgend finden Sie kurze Artikel zu oder von unseren Autoren sowie Auszüge aus den bei uns veröffentlichten Büchern. 

Freitag, 21. September 2012

Wolf-Dieter Storl über den Brunnen der Erinnerung

Foto (c) Björn Gaus
Mythen sind vielschichtig, vieldeutig und tiefgründig. Mythen sind sinnstiftend gerade dort, wo der rationale Diskurs und die wissenschaftliche Analyse keine Antworten geben können. Unser Kommen und Gehen als verkörperte Wesen, das Schicksal des Einzelnen wie das der Kollektive, und die Merkwürdigkeiten des Lebens, des Geborenwerdens und Sterbens, stellen uns vor Fragen, welche sich mit der naturwissenschaftlichen Methode nur unzulänglich beantworten lassen. Das ist notwendigerweise so, denn die Wirklichkeit ist weiter und tiefer als unsere Wissenschaft, als unser beschränkter Verstand – und der Computer macht uns nicht unbedingt weiser. Diese Wissenschaft wird zu Recht als reduktionistisch bezeichnet.

Jedes Volk, jede Ethnie, jedes Zeitalter hat seine Mythen. Diese sind nicht Produkte einer überbordenden künstlerischen Fantasie oder des wild gewordenen Denkens. In ihnen findet sich nichts Abstraktes. Sie wurzeln in der Natur, in den Bergen, Wäldern, Flüssen und Meeren, des Landes, in denen sich die Ethnien jeweils befinden. Sie sind bevölkert von den Tieren, die da durch diese Landschaft streifen, sowie den ätherischen und astralen Wesenheiten, welche die Hellsichtigen und Schamanen dort wahrnehmen. Sie prägen Geist und Gefühle. Mythen sind – wie die australischen Ureinwohner es wohl sagen würden – der Traum des Landes. Die Mythen entstehen aus dem Dialog zwischen den Menschenseelen und der Naturseele. Sie sind Ausdruck all dessen was sich da ereignet und ereignen kann; sie enthalten Urerinnerungen eines Stammes. Die vielschichtigen Bilder und bunten Geschichten, die uns die Mythen bieten, befriedigen die Seele der Menschen und helfen ihr eine Heimat auf dieser Erde finden. Die Menschen tragen – wie es Carl G. Jung formulieren würde – die Mythen mit sich in ihrem kollektiven Unbewussten.

Die germanischen Mythen, über die Ralph Metzner in seinem Buch Der Brunnen der Erinnerung nachsinnt, gehören den indigenen Völkern Mittel- und Nordeuropas – den Angelsachsen, Holländern, Belgiern, Deutschen, ebenso wie den Skandinaviern. Die Völkerwanderung trug sie über den Rest Europas. So sind  auch die Franzosen (Franken), Spanier (Goten, Vandalen), Italiener (Langobarden), Russen (Goten, Wikinger) und andere, Erben der Geschichten, die sich um Donar (Thor, Thunar), Baldur, Freya, Freyr, Odin (Wodan, Woden), die Zwerge und Riesen, die Zauberer und Weißen Frauen, die Weltenschlange und die magischen Tiere ranken. Auch die Nachfahren derjenigen, die in Amerika, Australien, Südafrika und anderen weit entfernten Gebieten siedelten, tragen unbewusst Nachklänge und Resonanzen dieser Mythen in ihrem kollektiven Unbewussten.
 

Die germanische Mythenwelt wurzelt, wie Metzner auch korrekt hervorhebt, in dem Weltbild der Megalithiker, einem eher mutterrechtlich orientiertem Bauernvolk, das für seine Steinsetzungen und Hünengräber bekannt ist. Die Germanen sind Ureinwohner; sie bilden den nördlichsten Ausläufer der europäischen Megalithkultur, die durch die einwandernden Hirtenvölker aus den westasiatischen Steppen allmählich „indoeuropäisiert“ wurden. Dennoch ist ungefähr ein Drittel des germanischen – das heißt, des englischen, deutschen, skandinavischen – Wortschatzes nicht indoeuropäischen Ursprungs, sondern enthält Wörter, die aus einer untergegangenen indigenen Sprache stammen. Die Mythenwelt dieser Ureinwohner ist ebenfalls uralt; sie hat sich über Jahrtausende entwickelt und auch verändert. Der Glaube und die Sagen der Germanen zur Zeit des Römers Tacitus waren sicherlich anders als tausend Jahre später zur Zeit der Wikinger und Waräger. Wo einst der Donnergott (Donar) als blitztragender Befruchter der Erdgöttin und Häuptling der Götter eine Rolle spielte, so wurde er in der spätgermanischen Zeit zum „Sohn“ Odins herabgestuft. Odin selber machte Wandlungen durch: Der wandernde Zauberer, schamanische Grenzgänger und Führer der Toten wurde in Zeiten der Völkerwanderung und besonders bei den Wikingern zum Anführer der Krieger und Berserker. Für die Bauern blieb er unheimlich, sie bevorzugten den Donnergott, dessen Wort man trauen konnte und der sie vor ihren Feinden den elementaren Riesen, vor Frost und Unwetter, beschützte.

Ralph Metzner hat das Thema der Mythen der alten germanischen Götter neu für unsere Zeit erfasst. Es ist notwendig, da sie einen Teil unserer kollektiven Seele ausmachen und uns zugleich den Schlüssel zu den Imaginationen und Kräften der hiesigen Natur geben. Die Göttermythen verbinden uns mit den Archetypen, die unsere Seele sowie die äußere Natur bevölkern, und mit den Ahnen, die noch in uns leben und uns hilfreiche Ahnungen spenden Uns mit den Ahnen und Vorfahren versöhnen ist eine wichtige Angelegenheit, wenn wir nicht entfremdet von unseren Wurzeln und der Geistigkeit unserer natürlichen Umwelt leben wollen.


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Die Mythen, die einst die Lebensgrundlage der germanischen Völker ausmachten, wurden öfters angegriffen. Die christlichen Missionare erklärten sie zu Irr- und Aberglaube und versuchten sie mit einer völlig fremden Bilderwelt zu ersetzen; die alten Götter wurden zu Teufeln. Die Inquisition wütete gegen die letzten Überreste des indigenen Schamanentums, der zum Teil in diesen Mythen wurzelte, und die rationelle Aufklärung des 18. Jahrhunderts verachtete die alten Überlieferungen und das ländliche Brauchtum als hoffnungslos rückständig. Vernichtend für dieses mythische Erbe wurde in der jüngeren Vergangenheit jedoch die Verbindung mit der Ideologie der Nationalsozialisten. Es wird behauptet, es sei die Quelle dieser Weltanschauung gewesen und deshalb seien die germanischen Göttermythen an sich verwerflich. Sie führten direkt zu Rassismus und Vernichtungslagern. Diese Pauschalanklage ist nicht nur stark vereinfachend, sondern schlichtweg stupide. Wie Géza von Neményi in seinem Buch Heilige Runen hervorhebt, darf man „aber nicht vergessen, dass der Nationalsozialismus tatsächlich die meisten seiner Element dem christlichen Rom entliehen hatte, nicht dem heidnischen Germanischen, und dass die Verwendung von germanischen Symbolen schon in den 20er-Jahren des letzten Jahrhunderts eine Mode geworden war, die zum Beispiel auch linke Strömungen erfasst hatte.“ Rassismus war den indigenen Germanen ein völlig fremder Begriff. Der Gedanke der überlegenen „arischen“ Rasse hat seine Wurzeln im indischen Kastensystem; arya bedeutet edel und rein und bezieht sich auf die Eigenschaften der höheren Kasten. Der Begriff wurde willig von britischen Kolonialherren aufgenommen und wurde Bestandteil der pseudo-wissenschaftlichen, biologistischen Lehren des 19. Jahrhunderts und zuletzt mit in die nationalsozialistische Ideologie eingebaut. Auch das Hakenkreuz, auch wenn es in vielen Kulturen als Sonnensymbol vorhanden ist, ist nicht eigentlich germanisch; es wurde aus dem indisch-buddhistischen Kulturkreis als magisches Zeichen entliehen. Der „Hitler-Gruß“ ist alles andere als germanisch, er entstammt dem Salve Caesar – Hitler ließ grüßen wie für den römischen Caesar üblich. Diese Beispiele sollten genügen. In seinem Buch trägt Ralph Metzner dazu bei, dass die fatale Verbindung zwischen den nationalsozialistischen Wahnvorstellungen und der altüberlieferten indigenen germanischen Mythenwelt wieder zurechtgerückt wird.

Metzner beschäftigt sich mit der mythischen und mythologischen Bilderwelt der Seele. Die Archetypen C.G. Jungs, die Schriften Joseph Campbells, die Imaginationen der Alchemie, des Tarot, der Astrologie, die Meta-Logik der keltischen und  indianischen Mythologie, die Mythen der Großen Göttin, des Grünen Manns und vieles mehr hat er untersucht. Er hat schon lange gewusst, dass es sich dabei um Landschaften des Bewusstseins handelt und dass die Götter nicht einer vergangenen historischen Epoche angehören, sondern noch immer Teil unserer Seele und Teil der Ökologie sind. Für die Nachfahren der germanischen Völker ist es von heilsamer Bedeutung sich mit den tieferen Einsichten ihrer Ahnen zu befassen. Ralph Metzner gibt uns in diesem Buch einen Schlüssel dazu.

Wie anfangs gesagt, es gibt viele Möglichkeiten Mythen zu deuten. Die sehr persönlich gehaltene Deutung Ralph Metzners ist eine der interessantesten.


Wolf-Dieter Storl (aus dem Nachwort zu Ralph Metzner, Der Brunnen der Erinnerung)









Ralph Metzner: Der Brunnen der Erinnerung. Die mythologischen und schamanischen Wurzeln unserer Kultur




Übrigens: Ein ausführliches Leitbild des Arun Verlages findet man HIER...  

 

Freitag, 17. August 2012

Die Seele als Ort in der Natur

(c) Netzer Johannes - fotolia.com
In seinem Buch "Soulcraft - Die Mysterien von Natur und Seele" stellt Bill Plotkin eine faszinierende Definition der menschlichen Seele dar. Hier ein Textauszug:

Ihre Seele ist Ihre wahre Natur. Sie können sich Ihre Seele auch  als Ihren wahren Ort in der Natur vorstellen. Sie wurden geboren, um einen bestimmten Platz in jener Gemeinschaft einzunehmen, die der Ökophilosoph David Abram die mehr-als-menschliche Welt nennt. Sie haben eine einzigartige ökologische Rolle, die Art und Weise, in der es für Sie bestimmt ist, dem Netz des Lebens zu dienen und es zu nähren – entweder direkt oder über Ihre gesellschaftliche Rolle. Auf der Seelenebene gehören Sie auf eine ganz bestimmte Weise zur Biosphäre, die so einzigartig ist wie jeder Ahornbaum, jeder Elch und jeder Berg.

„Ein besonderer Ort“ bedeutet auch eine bestimmte
physische Örtlichkeit. So gehen die australischen Aborigines zum Beispiel davon aus, dass es für jeden Menschen einen Platz in der natürlichen Welt gibt, an den er am meisten gehört, der ein Teil von ihm ist – ebenso, wie der Mensch einen Teil dieses Platzes darstellt. Indem er diesen Platz findet, entdeckt er zugleich sein wahres Selbst.

Auch Sie können Ihre Mitgliedschaft als Naturwesen in der natürlichen Welt zurückgewinnen. Der leichteste und direkteste Weg dahin besteht darin, einfach Zeit im Freien zu verbringen, ruhig, beobachtend und dankbar. Wenn Sie auf arglose Weis ein die Natur eintauchen, werden Sie mit der Zeit entdecken, dass die Natur Ihre Seele widerspiegelt und so Ihren besonderen Platz in der mehr-als-menschlichen Welt enthüllt.


Sie können sich darauf verlassen, dass die wilde Natur Ihre Seele reflektiert, denn diese ist Ihr wildester und natürlichster Aspekt. Die Natur gebiert Ihre Seele – und die aller anderen Tiere und Pflanzen auf dem Planeten. Ihr Ego jedoch ist nicht direkt aus der Natur geboren, sondern entstammt eher der Matrix, die von Kultur, Sprache und Familie gebildet wird. Die Seeleninitiation wird oft als Tod mit darauf folgender zweiter Geburt beschrieben. Es ist, als wenn Sie einen Kokon spinnen, in dem Ihr erstes Ego stirbt und später ein in der Seele verwurzeltes Ego geboren wird – diesmal nicht aus der Kultur, sondern aus dem Schoß der Natur.


Die wilde Natur enthält alle irdischen Zugehörigkeitsmuster. Jede Nische der Welt wird von einer Lebensform gefüllt, die dort perfekt hineinpasst, weil sie genau dafür geboren wurde. Je wilder die Umgebung (also je komplexer und verschiedenartiger), umso wahrscheinlicher enthält sie Zugehörigkeitsmuster, die sich mit Ihrer Bestimmung in Einklang befinden. Wer auch immer Sie sein und welche Möglichkeiten Ihnen auch immer zu eigen sein mögen, irgendwo in der wilden Natur gibt es Formen und Kräfte, welche die Nuancen Ihrer Seele widerspiegeln.
Bill Plotkin

Ihre Seele ist sowohl Teil von Ihnen als auch Teil der Welt. Die Welt kann keine Vollständigkeit erlangen, bevor nicht Sie selbst vollständig werden. Wie der pulsierende Raum eines schimmernden Potentials, das darauf wartet, entdeckt, beansprucht, besetzt zu werden, entspricht auch Ihre Seele einer Nische, einem ganz bestimmten Platz in der Natur. Wie ein Strudel in einem Fluss, eine Welle im Ozean oder eine Flamme im Feuer ist Ihre Seele sowohl in als auch von dieser Welt.
Der Mathematiker und Kosmologe Brian Swimme sowie der Kulturhistoriker Thomas Berry legen in ihrem Buch Die Autobiographie des Universums nahe, dass nicht nur jeder Mensch und alle Dinge einen einzigartigen Platz in der Welt haben, sogar selbst ein solch einzigartiger Ort sind:

Walt Whitman hat seine Empfindungen nicht erfunden, und er war für die Form, in der er seinen Gefühlen Ausdruck verlieh, auch nicht gänzlich verantwortlich. Vielmehr stellen seine Empfindungen eine komplizierte Schöpfung der Milchstraße dar, und seine Empfindungen sind Heraufbeschwörungen des Seins, Beschwörungen, die Gewitterstürme, Sonnenlicht, Gras, Geschichte und Tod umfassen. Walt Whitman ist ein Raum, den die Milchstraße geformt hat, um ihre eigene Größe zu spüren. 

Die Essenz der menschlichen Seele kann nicht von der Wildnis der Natur getrennt werden.  Aus diesem Grund muss eine hinreichende Psychologie immer eine Öko-Tiefenpsychologie sein. Und so überrascht es nicht, dass sich tiefe Begegnungen mit der Seele selbst in der modernen Welt oft während einsamer Wildnisaufenthalte ereignen, wie es auch bei den Begründern der großen Weltreligionen der Fall war: Moses stieg auf den Berg Sinai, Jesus verbrachte vierzig Tage in der Wüste, Mohammed begab sich in eine Höhle außerhalb von Mekka, und Buddha saß unter dem Bodhi-Baum. Auch wir müssen lernen, unsere Vision und Inspiration wieder außerhalb der gewohnten Welt des Dorfes zu finden und wieder in innere wie auch äußere Wildnis hineinzuwandern. 


   








Bill Plotkin: Soulcraft


Übrigens: Ein ausführliches Leitbild des Arun Verlages zu Fragen der Ethik, der Spiritualität und der Ökologie finden Sie HIER. 

Sonntag, 1. April 2012

Glück finden oder Glück schaffen?

Der Initiator und Produzent der "Glücksessenz", Bernd Bechtloff, im Interview.

Schlagwerker und Querdenker Bernd Bechtloff, stets eingebunden in neue musikalische Projekte und Experimente, hat sich mit einer illustren Gemeinschaft aus Philosophen, Schamaninnen, Psychologen, Biologen und Musikern auf eine Reise ins Bewusstsein des Menschen gemacht. Mit seinem Projekt „Die Glücksessenz“ trägt er Erkenntnisse aus vielen korrespondierenden Wissensgebieten zusammen, um zu zeigen, wie sehr wir als Menschen unser eigenes Leben, unsere eigene Erfahrungswelt und unser eigenes Glück oder Unglück erschaffen. Dirk Grosser sprach mit ihm über Wahrnehmung, Mystik, Wandel, Resonanz und das Glück des Trommlers…


Dein Buch zum Projekt „Die Glücksessenz“ beginnt mit einer interessanten Fragestellung: „Wenn wir etwas nicht verstehen, weil es unseren Verständnishorizont übersteigt, was werden wir tun? Uns abwenden und weitermachen wie bisher? Oder den Blick heben, unsere Wahrnehmung klären und einem neuen Verständnis des Menschseins Raum schaffen?“
Was ist für dich dieses neue Verständnis des Menschseins?

Na ja, zu allererst muss ich sagen: so neu ist dieses Verständnis eigentlich gar nicht. Es geht um ein Selbstverständnis von mir als Mensch, der sich weder als Krone der Schöpfung sieht und sich so verhält, noch als Krebsgeschwür, das die Erde tötet. Neu ist lediglich, dass es sehr dringend ist, unsere „Ich-nehm-mir-was-ich-kriegen-kann“-Mentalität radikal zu verändern. Tun wir das nämlich nicht, subtrahieren wir uns von diesem Planeten, da sind sich jetzt schon viele große Vordenker und Vordenkerinnen und noch mehr „einfache Menschen“ einig. Das Statement mit dem neuen Verständnis bezieht sich auf die für mich faszinierende Entdeckung, dass viele Naturwissenschaftler, die ja nicht gerade bekannt dafür sind, spirituell veranlagt zu sein, im (vorsichtigen) Erweitern ihres Horizonts plötzlich genauso klingen, wie die Mystiker und Weisen der letzten Jahrtausende. Das hat mich begeistert. Ich habe zwei Jahre ein Quantenphysik-trifft-Bewusstseinsforschung-Buch nach dem anderen gelesen, und das hat mir letztendlich den Kick gegeben, so etwas wie die Glücksessenz anzugehen.


Glaubst du, dass sich dieses neue Verständnis durchzusetzen vermag?

Ich würde gern ein lautes JA! ausrufen, aber ich bin mir nicht sicher. Wie vorhin erwähnt – mittlerweile ist es eine echte Not-wendigkeit, dass wir uns wenden, aber die destruktiven Kräfte sind immer noch unglaublich stark, und bestens organisiert, und nicht nur das: wir sind durch tausende Jahre Ausbeutung, Krieg und patriarchale Phantasien zutiefst geprägt, das sollten wir schleunigst loswerden. Im Übrigen glaube ich natürlich an Wunder und habe überdies eine Instanz in mir, die ständig den Kopf schüttelt und lacht. Also können wir vielleicht doch die Kurve kratzen und noch länger auf diesem schönen Planeten herumlaufen, und ihn und uns erforschen, ganz nach dem Motto: wir sind nicht menschliche Wesen, die spirituelle Erfahrungen machen, sondern spirituelle Wesen, die menschliche Erfahrungen machen!


Was wird sich dadurch ändern? Ich vermute, dieses Verständnis – sollte es sich durchsetzen – hat soziale, ökologische, wirtschaftliche und auch religiöse bzw. spirituelle Folgen?

(c) Uzi Tzur - fotolia.com
Das Verständnis, dass wir EIN Organismus Mensch sind, der ein Ausdruck der Wesenheit Erde ist, würde oder wird sehr grundlegend etwas ändern, nämlich alles! Ich meine, das hat es schon immer getan! Wir sind ja nicht die Ersten, die das so sehen! Im Gegenteil, die Menschheit hat zig Jahrtausende in diesem Modus gelebt und überlebt, wir haben MIT der Erde gelebt und nicht gegen sie, haben uns eingebunden in natürliche Zyklen erlebt, nicht völlig losgelöst, wie heute. Wir haben ihn kurzfristig vergessen, diesen sogenannten matriarchalen Modus, wie ein Pubertierender kurzfristig alles vergessen kann, was ihm lieb und teuer ist, weil sich sein Gehirn umbaut. Vielleicht – und das ist meine Hoffnung – verhält es sich auch bei uns als Menschheit ähnlich. Dann wird’s Zeit, dass wir endlich volljährig werden und aufwachen!


Wie hast du selbst deine Wahrnehmung geklärt? War das ein schrittweiser Prozess über einen längeren Zeitraum oder eher ein Blitz der Erkenntnis?

Ich maße mir nicht an zu behaupten, meine Sichtweise wäre geklärt! Ich bin mittendrin in der Klärung, und das schon immer! Ich habe mit 13 Jahren begonnen Krishnamurti zu lesen, und hatte das Gefühl alles zu verstehen. Wenn ich jetzt, 30 Jahre später Krishnamurti lese, brummt mir der Kopf nach ein paar Seiten. Dennoch habe ich das Gefühl ich sei jetzt bewusster, nehme mehr von der Welt wahr als damals. Ist das nicht vielleicht trügerisch?
Immer wieder ereignen sich Erkenntnisse blitzartig, da wird mir schlagartig etwas bewusst und ich handle sofort und bin im Nachhinein erstaunt, wie tiefgreifend das war. So habe ich zum Beispiel mit 17 Jahren scheinbar aus völlig heiterem Himmel beim Anblick des Sonntags(Hasen)-Bratens von einer Sekunde auf die andere aufgehört Fleisch zu essen, und esse bis heut noch keins. Das war einer dieser Erkenntnisblitze, die von ich-weiß-nicht-wo kommen und höchst erstaunlich sind. Anderes entwickelt sich langsam, aber die Idee der Entwicklung setzt immer die Vorstellung von zeitlicher Weiterentwicklung voraus, und die ist – wie erwähnt ­ möglicherweise trügerisch!


Du hast im Buch viele wunderbare Zitate zusammengetragen. Besonders hat mir dies von Mark Twain gefallen: „In 20 Jahren wirst du mehr von den Dingen enttäuscht sein, die du nicht getan hast, als von denen, die du tatest.“
Glaubst du, dass Fehler einfach zum menschlichen Leben dazugehören und dass diese ebenfalls wichtigen Anteil an unserer inneren Entwicklung haben?

Natürlich glaub ich das! Es gibt ja diese wunderbare „Chinesische Parabel“ von Hermann Hesse, wo immer irgendetwas passiert, die Nachbarn kommen und sagen „Na, da hast du aber Glück gehabt“, dann passiert aufgrund dieses „Glücks“ irgendetwas Schreckliches, die Nachbarn kommen wieder und meinen „Na, da hast du aber Pech gehabt“, worauf dieses „Pech“ durch irgendwelche Ereignisse wieder dazu beiträgt, dass etwas Wunderbares passiert, und so fort. Und der weise Alte sagt jedes Mal: „Woher wollt ihr wissen, dass das ein Glück ist?“ oder „Woher wollt ihr wissen, dass das Pech ist?“
So sehe ich das auch bei den sogenannten „Fehlern“!


Du behauptest, Wissenschaft und Mystik seien in unserer Zeit nicht länger Gegensätze. Kannst du erläutern, wo sich deiner Meinung nach diese beiden Erkenntniswege begegnen?

Einige Quantenphysiker behaupten ja, dass die Welt an sich gar nicht existiert, weil diese dubiosen kleinsten Materieteilchen (oder sind es Wellen?) sich so paradox verhalten, dass sie offenbar erst hier dann dort, als Teilchen oder Welle erscheinen, wenn wir sie – durch bestimmte Versuchsanordnungen ­–  zu diesem oder jenem determinieren. Ja, man kann nicht einmal mit Sicherheit sagen, ob sie überhaupt da sind, wenn man nicht hinsieht! Und das ist der innerste Zusammenhalt all unserer Materie!!! Da muss man ja an die Buddhisten mit ihrem Nicht-Sein als Grundessenz aller Dinge erinnert werden, oder an die hinduistische Lehre von der maya – die materielle Welt der Illusion. Der große Fehler von einigen Weisen und Wissenschaftlern ist natürlich dann der Wunsch diese Welt zu „verbessern“, zu manipulieren, zu welchen Zwecken auch immer. Da gehen Naturwissenschaftler natürlich um einiges brachialer vor als Mystiker. Aber so mancher Mystiker  war auch Religionsgründer, und Religionen gehören wohl zu den mörderischsten Institutionen, die jemals unsere Erde verunziert haben.


Du siehst die Realität als vom menschlichen Geist beeinflussbar und derzeit erscheinen eine Menge Bücher zu diesem Thema. Besteht bei dieser Theorie nicht die Gefahr einer neuen Ego-Zentrierung und erhebt das den Menschen nicht wieder über die Natur, die er nun nicht nur durch seine Handlungen, sondern sogar durch seine Gedanken verändert?

Völlig richtig! Das ist ja sozusagen das „Grundproblem“ bei Publikationen wie der Glücksessenz. Es gibt unzählige Bücher und Ratgeber, wo der Machbarkeit gefrönt wird. Schick‘ ein Brieflein ans Universum, dass du reich, gesund und glücklich sein willst, dann erfüllt dir das Universum deinen Wunsch, denn es liebt dich! Doch seltsam, jetzt wartest du schon Jahre und du suggerierst dir beständig, schon etwas krampfhaft, dass du toll bist, das du es wert bist reich, erfolgreich, gesund, geliebt zu sein, aber es will sich einfach nicht einstellen. Na dann bist du eben selbst schuld! Das ist die typisch amerikanische Selfmade-Man-Mentalität in neuem New-Age-Gewand. Ich wende mich mit Ekel von diesen Büchern in der Buchhandlung ab. Die Glücksessenz ist da eher so etwas wie ein trojanisches Pferd. Sie gibt vor, auch so ein Nimm-dein-Glück-selbst-in-die-Hand-Ratgeber zu sein, entpuppt sich aber dann als humorvolles und – wie ich hoffe ­– sehr menschliches Reflektieren über die großen und weniger großen Fragen unseres Daseins. Keine Ahnung, ob das ein gutes Marketing-Konzept war…
Wie bringe ich einen Herzenswunsch in die Wirklichkeit? Indem ich darauf hinarbeite – eh klar! Indem ich ein Ziel formuliere, mich in Bewegung setze, einen Rhythmus finde, es einfach laufen lasse, in Resonanz gehe und so weiter. Das Erstaunliche ist, dass ich die Abfolge der 13 Schritte, denen die Glücksessenz in ihrem Aufbau folgt, in einem Buch über die Maya-Kultur gefunden habe. Die sind diesen 13 Schritten schon vor 1.000 Jahren gefolgt, und das hat mich beeindruckt.


Sind diese 13 Schritte alle gleich wichtig?

Ganz sicher. Es sind nicht Schritte, die man nacheinander gehen muss, es sind eher 13 Aspekte, die eine Ganzheit repräsentieren. In unserem europäischen Kulturkreis gibt es die 13. Fee im Dornröschen, die den Tod, die Rückkehr zur Quelle oder einem neuen Anfang symbolisiert. Das sind alles uralte archetypische Zusammenhänge, die für mich eine fühlbare Richtigkeit haben. Deshalb bin ich ihnen gefolgt und das war sehr spannend!


Der elfte Schritt lautet „Wandel zulassen“. Wie stellt sich dieser Wandel für dich dar und wo ist für dich der Unterschied zwischen aktivem Zulassen und passivem Fatalismus?

Das ist eine knifflige Frage, die ich schon seit Jahrzehnten mit diversen Freundinnen und Freunden diskutiere. Ist Wandel etwas, das uns ergreift, oder das wir selbst aktiv durchführen? Es ist schon klar, ­ in den Medien wird der Begriff des Wandels überstrapaziert und in der esoterischen Literatur auch. Es fühlt sich einfach toll an, wenn wir glauben, dass die Maya diese Botschaften und Prophezeiungen extra für uns hinterlassen haben, weil wir jetzt an der großen Zeitenwende stehen, und wir es in der Hand haben weiter zu existieren oder uns von der Erde zu radieren. Toll! Was für eine Macht! Vielleicht ist es ja tatsächlich so, vielleicht haben wir es tatsächlich in der Hand, vielleicht leben wir aber einfach nur in einer Zeit global knapper werdenden Ressourcen und die matriarchal organisierten indigenen Weisen sagen uns: Hey, hört auf unsere Erde auszuplündern und zu vergiften, wir würden gern noch ein paar tausend Jahre Mais anbauen, die Sterne betrachten und unsere Kinder aufwachsen sehen! Ein Wandel ist wie schon erwähnt not-wendig für uns alle. Meines Wissens war noch nie die Menschheit GLOBAL bedroht. Möglicherweise ist das das Neue. Diesbezüglich ist der Wandel also sicher etwas Aktives, nicht nur ein Um-denken sondern vor allem auch ein Um-handeln ist gefragt! Auf der anderen Seite sind wir durch zu vieles „Herumdoktern“ an der Schöpfung in diese Lage gekommen, warum soll uns jetzt also noch mehr manipulieren wieder hinaushelfen? Vielleicht muss ja einfach unser geschwätziger Geist einmal still werden und dem Rauschen des Waldes und der Sterne zuhören, dem Bach, den Tieren, den Kindern. Und zuhören ist etwas zutiefst Passives, Offenes.


Ein Schlüsselbegriff scheint mir „Resonanz“ zu sein – und auch der achte Schritt ist ja so betitelt. Was bedeutet „in Resonanz sein“ für Dich und hat deine Tätigkeit als Musiker dir geholfen, dich auch im Rest deines Alltags auf die Schwingungen anderer Menschen einzustellen?

Das ist wirklich eine sehr umfangreiche Frage. Das Kapitel der Resonanz hat einen derartigen Kosmos geöffnet, bei der Arbeit an der Glücksessenz, dass ich schon damit spekulierte, ein eigenes Hörbuch nur zu diesem einen Thema zu machen, und selbst das würde noch zu kurz greifen. Ich glaube, wir bestehen überhaupt nur aus Resonanzen. Unser Bewusstsein existiert gar nicht alleine, sondern nur in Resonanz mit allem was ist. Resonanz dürfte eines der tiefgreifendsten Naturgesetze sein. Ich starte oft neue Projekte und gehe dabei immer nach meiner persönlichen Resonanz-Wahrnehmung vor. Ich skizziere ein Projekt, spür nach, wer dafür in Frage kommt mitzumachen, schlage es vor und dann kommen diejenigen Menschen in Resonanz damit, oder auch nicht. Wenn ja, wird es Wirklichkeit, wenn nein, lasse ich sofort wieder davon los… Zumindest für den Moment! Diese Projekte kommen nämlich dann in eine Schublade bzw. in meinen Hinterkopf und suchen im Geheimen nach Komplizen. Manchmal dauert es 10 Jahre und mehr, bis sie sie gefunden haben!

Aber um auf die persönliche Frage zurückzukommen: dieses „in Resonsanz-Sein“ auf der Bühne oder beim Musizieren ist ja jedem Menschen bekannt, der schon mal irgendwo in einer Gruppe getrommelt hat, und jedem Musiker und jeder Musikerin erst recht. Der Chronobiologe Prof. Max Moser, der auch Teil der „Glücksessenz“ ist, hat das sogar gemessen! Ich war in der Hubert von Goisern Band und Prof. Moser verkabelte uns alle einen ganzen Tag lang mit seinen portablen Herzfrequenzmessgeräten. Das Ergebnis war vielschichtig und erstaunlich. Die Kurven der unterschiedlichen Herzfrequenzen waren während des Konzertes bei 4 von 5 Musikern auf der Bühne nahezu identisch. Bei einem Musiker verlief sie genau entgegengesetzt zu den anderen, und derjenige verließ nach dieser Tournee die Band. Ihm und uns war klar: er schwingt nicht mit uns. Und das war messbar!


Der 13. und letzte Schritt ist die Rückkehr zur „Quelle“, wie du es nennst, der Abschluss eines Zyklus. Was ist diese Quelle für dich? Und warum ist das Bewusstsein über die Rückkehr dorthin, also ein Bewusstsein unserer Vergänglichkeit, so entscheidend?

Zunächst ist damit der Abschluss einer  so genannten Manifestationswelle gemeint. Wenn ein Vorhaben vollendet ist, kann man das nächste angehen – oder ­ wie ich zehn Projekte gleichzeitig betreuen. Ich stelle mir keine Quelle vor aus der wir alle kommen, oder zu der wir gehen, kein allmächtiges Wesen, keine Lichtsphäre. Wie es im Film „Avatar“ heißt: Jede Energie ist nur geborgt, und wenn wir sterben, müssen wir sie zurückgeben. Nachdem ein Freund von mir bei einem Motorrad-Unfall gestorben war, habe ich gespürt, dass das Gefäß in dem er lebte – sein Körper ­– zerbrochen war, und dass er ­und alles was er war und hätte sein können ­ nun an keinem Ort mehr ist. Ich ging auf seinem Hof spazieren, nachdem ich feststellte, dass er in dem aufgebahrten Körper nicht mehr war, und konnte ihn überall fühlen. In jedem Grashalm, in jedem Stein, sogar in der Luft. Und ich hatte das deutliche Gefühl, dass seine Qualität jetzt frei zur Verfügung stand, dass ich mir nehmen könnte, was ich wollte, ja, dass jeder, der ihn gekannt und geliebt hatte, jetzt nehmen könnte, weil seine Energie nun frei war.


Erinnerst du dich an besonders eindrückliche Erlebnisse während des Produktionsprozesses der „Glücksessenz“? Etwas, das dir gesagt hat, dass du am genau richtigen Projekt zur richtigen Zeit arbeitest?

Ja, die spontanen Zusagen aller Interviewpartner und Sprecherinnen und Sprecher. Das ging so leicht und selbstverständlich, dass es mich berauschte. Und die Interviews selber waren durch die Bank sehr erquickend für mich!


Bist du selbst glücklich?

Was soll man darauf antworten? Manchmal schon, manchmal nicht. Vor einiger Zeit habe ich beispielsweise erkannt, dass wenn ich die Wertung von Gesundheit versus Krankheit nehme, also nicht mehr sage „Gesundsein ist gut, kranksein ist schlecht“, dann verwandelt sich das Kranksein in einen tollen Bewusstseinszustand. Abgesehen von den Gliederschmerzen und dem stechenden Kopfweh ist eine starke Grippe, wenn ich mich genau dabei beobachte, eine sehr zentrierte, ganz im Jetzt verankerte Situation. Eigentlich besser, als wenn ich berauscht von Erfolg, Geld oder schönen Frauen Gefahr laufe, meine Mitte zu verlieren und es mich von mir selbst wegkatapultiert.
Was also ist Glück?
Der von mir hochgeschätzte Summerhill Gründer A.S.Neill hatte eine originelle Glücksdefinition: Glück ist Interesse am Leben. In diesem Sinne bin ich sehr glücklich!


Vielen Dank für das Gespräch! 

 









Bernd Bechtloff (Hrsg.): Die Glücksessenz, Arun Verlag 


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